Bolengs Richtlinien Für Das Freitauchen mit angeköderten Tiger- und anderen Großhaien

Wo Haie angelockt werden, sind besondere Tauchvorsichtsmaßnahmen angemessen!

Großhaie und besonders Tigerhaie sind hochentwickelte, potentiell gefährliche, opportunistische Meeresjäger, die zu allen Zeiten mit dem nötigen Respekt und mit informierter Vorsicht behandelt werden sollen, ganz besonders, wenn Futter oder Lockmittel gegenwärtig sind.  Verhalten und Reaktion der Haie gegenüber Tauchern ändern sich unter anderem bei der Invasion des Wahrnehmungsraums (Kinosphäre) eines Hais, bei Zeichen von Stress / Angst des Tauchers und in Gegenwart von Futter und Lockmitteln.

Diese Richtlinie wurde mit Hilfe von Experten zusammengestellt, von denen jedoch keiner, eingeschlossen BOLENG, behaupten kann oder möchte, dass diese komplett sei oder die Sicherheit der teilnehmenden Taucher garantieren könne.  Sinn der Richtlinie ist es lediglich, den Teilnehmern ein informiertes, lehrreiches, hochinteressantes Erlebnis mit diesen imposanten Jägern zu ermöglichen, dabei das potentielle Risiko einer Teilnahme klarzustellen und gleichzeitig zu versuchen, durch richtiges Verhalten dies auf ein akzeptables Maß zu verringern.

Vornehmende Teilnehmer müssen nach Abwägung der verschiedenen Risikofaktoren selber entscheiden, ob sie das potentielle Risiko akzeptieren, und an diesen faszinierenden Haitauchgängen bei vollem Eigenrisiko teilnehmen möchten.

Jede positive Haibegegnung hilft die Haie zu dekriminalisieren, und so zu deren, für das ökologische Gleichgewicht der Meere dringend notwendigen Schutz beizutragen.  Wir sind bemüht unsere Kunden nur bei erfahrenen und verantwortungsvollen Tauchveranstaltern, die im Sinne dieser Richtlinien arbeiten, einzubuchen, können aber diese Tauchgänge oder das Einhalten dieser Richtlinie während dieser Tauchgänge, weder kontrollieren, noch jegliche Haftung dafür übernehmen.

Selbst unter idealen Bedingungen beinhalten angelockte oder angefütterte Haitauchgänge immer ein erhöhtes Risiko und Teilnahme findet daher nur in voller Eigenverantwortung statt!

Wenn Sie, nach Abwägung aller Risiken, diese bewusst akzeptieren und an den Tauchgängen teilnehmen möchten, dann lassen Sie sich bitte auch genügend Zeit.  Die Tauchausfahrten können nur unter ausreichend guten Bedingungen stattfinden!  Anderen zeigen zu wollen, welch toller, kühner Taucher Sie sind, wäre ein falscher Teilnahmegrund, der Sie und andere Teilnehmer gefährden könnte!

Durch Teilnehmer, die sich NICHT an diese Richtlinie halten, Haie belästigen oder durch ihr Verhalten sich selber oder die Mittaucher nach Einschätzung des Tauch-Guides gefährden, kann der Tauchgang jederzeit sofort beendet, und ihre eventuellen weiteren Tauchgänge ohne Rückzahlung storniert werden.  Der Tauchveranstalter / Guide hat das Recht und die Pflicht Tauchgänge zu stornieren, wenn das taucherische Können des Kunden seines Ermessens nach nicht für diese Haibegegnungen ausreicht.

Abgesehen von der bedauerlichen persönlichen Härte einer eventuellen Verletzung oder gar eines Todesfalles, kann selbst ein einzelner Haiunfall, unabhängig davon ob selbst verschuldet, leichtsinnig oder nicht, dazu führen, dass der Haischutz weltweit darunter leidet und zukünftige Tauchgänge dieser Art gesetzlich verboten werden.

Der Spruch, dass bisher nichts passiert sei, mag beruhigend wirken, ist aber keine Garantie für die eigene Sicherheit!  Haie sind wilde, ungezähmte Tiere, hoch entwickelte und instinktiv opportunistische Jäger und müssen stets mit dem nötigen Respekt behandelt und betaucht werden!

Daher bitten wir Sie,  diese außergewöhnlichen Tauchgänge mit den imposanten Unterwasserjägern auf besonders verantwortliche Weise zu genießen!

Haie haben sich über mehrere Millionen Jahre entwickelt, wir Taucher sind NICHT Teil ihrer Futterkette und stehen auch nicht als besonderer Leckerbissen auf dem Haimenü.

Die relativ geringe Anzahl an ernsten Unfällen oder Todesfällen, die leider doch geschehen, (weit mehr werden jährlich von Kokosnüssen erschlagen oder sterben an Kugelschreiberunfällen), können meist auf unglückliche Umstände oder Fehlverhalten der Menschen zurückgeführt werden!

Risikofaktoren der Tauchgänge mit angeköderten Großhaien

Futterverwechslung

Dieses ist eins der wichtigsten und größten Probleme! Wo Haie mit Futtermitteln angelockt werden, gelangen Geruchsstoffe und, auch bei größter Vorsicht, Futterreste ins Wasser. Wo Haie dieses mit Tauchern verbinden, führt es zu einer erhöhten Gefahr – besonders für Taucher stromabwärts dieser “Genussquelle”. Im Wasser breiten sich zudem Geräusche in allen Richtungen aus, und Haie reagieren besonders schnell darauf, wenn diese dem Frequenzspektrum eines verwundeten Fisches ähneln und Haien so eine potentiell leichte Beute vortäuschen. Ruckartige, unregelmäßige und nervöse Taucherbewegungen generieren ähnlich attraktive Geräusche.

Sinnesirritation

Haie werden durch das Stimulieren ihrer Wahrnehmungssinne irritiert, wie zum Bespiel bei abnormalen Geräuschen (Motorboote, Gegenwart von Tauchern), schlechter Sicht, verdeckter Gerüche (Abwässer), Druckwellen (Brandung) und elektrischer Entladungen (Blitze), usw.

Konkurrenz

Die Gegenwart eines potentiellen Futterkonkurrenten kann einen ruhig daher schwimmenden Hai in ein aktives, untersuchendes “Ich-zuerst” Tier umwandeln. Dies mag uns als Aggression erscheinen, ist aber Teil des normalen Untersuchungsverhaltens eines Hais. Dieses Verhalten ist immer systematisch und progressiv und wird durch Konkurrenz beschleunigt. Mehrere Haie beieinander bedeuten immer eine erhöhte potentielle Gefahr.

Individuelles Verhalten und unberechenbare Persönlichkeiten

Haie reagieren unterschiedlich, manche sind vorsichtig, andere wiederum höchst neugierig, untersuchend und draufgängerisch. Menschen dürfen das, warum nicht auch Haie!

Gewöhnung und Assoziation

Wiederholtes Anlocken oder Füttern beeinflusst das Haiverhalten. Manche verlieren so ihre normale Zurückhaltung und nähern sich schnell den Tauchern, besonders wenn sie gelernt haben, Taucher mit Futter zu assoziieren. Daher ist es wichtig den Tauchgang so zu gestalten, dass diese Assoziation nach Möglichkeit gar nicht erst aufkommt.

Taucherverhalten

Verkehrtes oder unzutreffendes Verhalten & Reaktion auf Haie, wie Panik, plötzliche Bewegungen oder Flucht, erhöhen das Risiko.

Grundsätzliche Voraussetzungen für Taucher und Veranstalter

Kein Füttern

Die Assoziation zwischen Futterbelohnung und Tauchern ist gefährlich für sowohl teilnehmende wie zukünftige Taucher und daher ist ein Füttern der Haie nicht akzeptabel.

Weder Belästigung noch Anfassen der Haie

Haitauchgänge sollte man genießen, die Tiere beobachten und fotografieren, ohne dabei die Haie zu belästigen, zu bedrängen oder gar zu berühren. Ein Mindestabstand gleich dem 2½-fachen der Haikörperlänge sollte stets gehandhabt werden und hinterlässt beim Hai keine bleibende Einwirkung. Dieser Umkreis ist auch bekannt als die äußerste Kinosphäre des Hais, sprich: das von ihm ausgewertete Gebiet. Nach einer Weile wird der Hai seinen eigenen Abstand festlegen, in dem er sich wohl fühlt. Hoffentlich unterschreitet dies nicht das Komfortgefühl des Tauchers!

Nicht-zulässiges Verhalten eines teilnehmenden Tauchers kann zum Abbruch des Tauchgangs und Ausschluss des „Täters” von weiteren Tauchgängen führen, und dies ohne Rückerstattung eventuell schon bezahlter Tauchgänge.

So, nun kann es vorsichtig losgehen!

Kontrolliertes Anlocken

  • Anlocken der Haie sollte als „nötiges Übel” um Haie, besonders auch Tigerhaie, in Sichtnähe der Taucher zu locken betrachtet werden.  Um keinen bleibenden Einfluss zu hinterlassen, muss dieses  vorsichtig und richtig gemacht werden. Der Köder darf nur zum Anlocken, aber nicht zur Fütterung dienen!
  • Wie schon vorher betont, dieses Anlocken (chumming) erhöht das potentielle Risiko des Haitauchgangs erheblich. Taucher der eigenen oder anderer Gruppen dürfen nicht stromabwärts des Lockmittelbehälters schwimmen.
  • Der Köder ist in einem perforierten aber geschlossenen Behälter aufzubewahren, sodass zwar eine Geruchspur entsteht, aber der feste Inhalt den Haien nicht zugängig gemacht wird.
  • Abgetaucht wird stromaufwärts des Behälters, nachdem die Haie den Köder geortet und angefangen haben ihn zu untersuchen. Für die Haie erscheinen die Taucher so nicht als Grund der leckeren Gerüche, sondern eher wie andere Raubfische, die diese auch untersuchen wollen!
  • Überschüssiges Futter darf erst nach Beendigung des Tauchgangs, nachdem alle Tauchteilnehmer wieder an Bord sind und keine anderen sich stromabwärts befinden, an einem Ort, der normalerweise nicht betaucht wird, entsorgt werden.

Sichtweite

Sowohl der Sicherheit wie des Erlebnisses wegen, sollte die Unterwassersicht weiter als 8 Meter sein. Dies wird im „von oben“ – Verfahren gemessen, sprich: der Köderbehälter muss auch in 8 Meter Tiefe noch vom Boot aus gut sichtbar sein!

Tauchguide

  • Wir empfehlen, dass mindestens zwei erfahrene Tauch-Guides den Tauchgang begleiten.
  • Die Tauchguides müssen jederzeit sowohl die Taucher wie die anwesenden Haie im Auge behalten, um wo nötig im Interesse der Sicherheit handeln zu können.
  • Als Regel gilt: je weniger erfahren die Gäste, schlechter die Tauchbedingungen und Sicht und größer die Anzahl der Teilnehmer, desto größer sollte das Verhältnis Guide : Taucher sein.
  • Wir empfehlen, dass zumindest der leitende Guide, als “Underwater Marine and Shark Diving Guide” dem South African Tourism Amendment Act entsprechend, akkreditiert ist.
  • Kunden sollten sich nach der Anzahl, Qualifikation und Akkreditation der Tauchguides bei der Briefing informieren oder entsprechend informiert werden und dann beschließen, ob sie bei eventuellem  Abweichen von dieser Richtlinie, noch teilnehmen möchten!

Strömung

Die Strömungsdifferenz zwischen Tauchern und Köderbehälter sollte minimal sein. Wenn andauernde, kräftige Schwimmbewegungen nötig sind um stromaufwärts des Behälters zu bleiben, sollte der Tauchgang aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden.

Tauchtiefe

Hängt von den Wasserbedingungen ab, aber nicht tiefer als 15 Meter und etwas weniger als die vertikale Sichtweite.

Tauchgruppengröße, Abstand von einander & Abstand zu den Haien

  • Gruppe sollte auf 8 Tauchgäste begrenzt sein
  • Bei mehr als 4 Gästen und Sicht unter 10 Metern sollten mindestens 2 Guides mit den Gästen im Wasser sein.
  • In der Gegenwart von Haien müssen Taucher als Gruppe, jeder möglichst in vertikaler Position, zusammenbleiben, nicht weiter als 3 Meter vom Tauchnachbarn entfernt und immer in Sicht eines Diveguides sein.  (Haitauchgänge finden im offenen Meer statt und das Boot folgt der Boje des Tauchführers.)
  • Es ist NICHT gestattet Haie anzutauchen, zu berühren oder sonst wie zu belästigen.  Ein Minimalabstand von 2½ mal der Hailänge muss gehandhabt werden.  Aber da auch Taucher eine Komfortzone haben, darf dieser Abstand durchaus größer sein.  Der Hai sucht sich dann ganz von selber einen für ihn akzeptablen Freiraum aus.

Erste-Hilfe-Ausrüstung und Bedienung

Zumindest eine Person mit gültiger Erste-Hilfe-Qualifikation, Verbandskasten, Trauma-Ausrüstung und Radio oder Funktelefon müssen an Bord sein.

Taucherfahrung und Glitzerfarben

Mit angelockten Groß- und Tigerhaien zu tauchen, erhöht das Risiko und den Adrenalinspiegel erheblich, daher sollten Tauchteilnehmer wenigstens 50 Tauchgänge absolviert haben.Gutes Tarieren ist äußerst wichtig, ein Kilo Blei zuviel ist besser als eins zu wenig!Tauchqualifikation und – erfahrung sollten vor dem Tauchgang vom Tauchoperator kontrolliert werden.Nach Möglichkeit buntes, grelles Tauchgerödel vermeiden, „je schwärzer, desto besser!“.

Tauch-Briefing, Nachbereitung und Haftungsabsicherung

Taucher müssen an einer ausführlichen Tauch-Briefing teilnehmen, die, zusammen mit der nachträglichen Besprechung, dazu dient das Haiwissen zu vertiefen, Risiko zu verringern und abzusichern, dass Taucher sich der potentiellen Gefahr dieser Tauchgänge bewusst sind und an diesen bewusst auf ihr alleiniges Risiko teilnehmen. Keine Teilname ohne an der Briefing teilgenommen und die Haftungsverzichtserklärung (indemnity) unterschrieben zu haben.

Die Tauch-Briefing sollte folgende Themen einschließen

(je ausführlicher und besser die Briefing je mehr Sicherheit und Spaß beim Tauchgang!)

  • Tauch- und Haierfahrung der Teilnehmer und Guides sowie deren Registrationsstatus.
  • Wichtige Informationen über den Tauchgang und was erwartungsgemäß auf die Teilnehmer zukommt, sowie Notausrüstung an Bord.
  • Ausführliche Besprechung der Risikofaktoren, sowie Verhalten unter Wasser, besonders wenn die Hai-Mensch-Komfortzone des Hais kleiner ist als die des Tauchers!
  • Umstände, die einen frühzeitigen Abbruch des Tauchgangs von Nöten machen würden.
  • Wiederholung des Verbots von Anschwimmen, Berühren und Belästigung der Haie.
  • Verhalten in Gegenwart von Haien, Abstand zum Tauchnachbarn, Gruppierung und Mindestabstand zum Hai.
  • Verhalten bei aktiv ermittelnden (oft fälschlich als „aggressiv” bewertet!) Haien.
  • Zu erwartendes Verhalten der Haie während des Tauchgangs und wie man darauf reagieren sollte.
  • Verstehen und unterschreiben der Haftungsverzichtserklärung, Teilname auf alleiniges Risiko!
  • Die Notwendigkeit des Haischutzes um Haie vor der drohenden Ausrottung zu retten, sollte auch ein Diskussionsthema sein!

Haftungsverzichtserklärung

Vor Anfang des Haitauchgangs sind spezielle Haftungsverzichtserklärungen von jedem Teilnehmer zu unterzeichen. Mit der Teilnahme an dem Tauchgang und der Unterschrift erklärt der Teilnehmer, dass er/sie sich der potentiellen Gefahr voll bewusst ist, diese versteht, akzeptiert und aus freien Stücken und auf eigenes Risiko an dem Tauchgang teilnimmt. BOLENG dient dabei nur als Buchungsagent und übernimmt keinerlei Verantwortung oder Haftung für das, was auf diesen Tauchgängen passiert oder für eventuelle Unfälle oder Folgenschäden irgendwelcher Art.

Einhaltung örtlicher Vorschriften

Tauchoperator wie Taucher haben sich an die örtlichen Tauchbestimmungen und –vorschriften zu halten, ganz besonders wenn die Tauchgänge in Schutzgebieten (Marine Protected Areas), wo ein Anködern normalerweise nicht erlaubt ist, stattfinden. Wo nötig, sind schriftliche Genehmigungen für diese Tauchgänge einzuholen.

Ihr Kommentar ist äußerst wichtig!

Bitte teilen Sie uns ihre diesbezüglichen Taucherlebnisse und Meinung zu den Haitauchgängen mit. Verbesserungsvorschläge sind sehr willkommen, und helfen diese Tauchgänge schöner, lehrreicher und sicherer zu gestalten. Am einfachsten geht dies an:

Helfen Sie uns Haie vor der Ausrottung zu retten!

Viel Spaß bei der Begegnung mit diesen faszinierenden Tieren!